Will man ein williges Reitpferd, das lange gesund bleibt, sollte man möglichst viel Zeit in die Grundarbeit und Ausbildung investieren. Vergisst man einen Ausbildungsschritt, zieht sich das durch das ganze Pferdeleben und man hat immer wieder damit zu kämpfen. Die Zeit, die man anfangs mehr investiert, bekommt man später doppelt und dreifach zurück. Zuallererst gilt es, den Pferdekörper zu lockern. Durch die natürliche Schiefe ist die Muskulatur nicht gleichmäßig dehnfähig, da die Muskulatur einer Seite verkürzt ist. Diese Verkürzung muss zuerst an bestimmten Stellen (z.B. Genick) gedehnt werden. Um die Lockerheit weiter zu fördern, folgt nun das Vorwärts-Abwärts. Nur wenn das Pferd seine Muskulatur nicht verspannt und sein Gleichgewicht gefunden hat, kann es den Hals nach vorne-unten strecken. Dabei ist wichtig, dass sich auch die Nase nach vorne streckt und der Genickwinkel öffnet. Durch das Strecken des Halses nach vorwärts-abwärts, zieht das Nacken-Rückenband die Dornfortsätze nach vorne-oben. Idealerweise tritt die Hinterhand weit unter und das Becken wird aufgerichtet, so dass der Rücken auch von hinten aufgewölbt wird.

Auch wenn der Brustkorb ab einer Höher Maulspalte tiefer Buggelenk absinkt, kann es hilfreich sein zeitweise ein sehr tief kommen lassen (Nase an Boden) zu erlauben. Nur wenn die Muskeln völlig loslassen, kann das Pferd den Kopf so weit senken. Des Weiteren ist die tiefe Dehnung ähnlich der Haltung beim Grasen und führt beim Pferd nicht nur zur körperlichen sondern auch zur psychischen Lockerheit. Zusätzlich vermindert sich durch die starke Dehnung beider Körperseiten die Schiefe des Pferdes. In einem Zwischenschritt lernt der Reiter das Pferd mit Hilfe der äußeren Hilfen zu lenken. Dies dient weniger der Gymnastizierung, sondern soll den Reiter schulen, nicht am inneren Zügel zu lenken. Der nächste Schritt ist nun mit Hilfe der diagonalen Hilfengebung das Pferd so zu unterstützen, dass es gleichmäßig an beide Zügel herantritt, also die Hinterbeine gleichmäßig einsetzt. Hierbei lernt das Pferd auch, dass die Schultern zwischen den Zügeln geführt werden, während die Hinterhand zwischen den Schenkeln positioniert werden kann.

Nach und nach kann dazu übergegangen werden die Stellung zu erarbeiten. Die richtige Stellung zeichnet sich dadurch aus, dass der Schädel in etwa in einem Winkel von 30° zur Hals gestellt wird, dabei rotiert der erste Halswirbel (Atlas) in Richtung der Stellung. Durch die harte Hirnhaut ist der Atlas mit allen Wirbeln und über das Ileosakralgelenk mit dem Becken verbunden, wodurch alle Wirbel mitsamt dem Becken in Richtung der Stellungsseite rotieren. Geht die Stellung durch den Pferdekörper, bewegt sich die Hüfte nach vorne unten. Somit bekommt der Reiter durch die Stellung Zugriff auf ein Hinterbein, das nun mehr gebeugt werden muss. Wichtig ist das der Hals nicht einfach nach innen gezogen wird, sondern gerade bleibt und nur das Genick gestellt wird. In der Biegung wird dann die Rotation der Wirbel, besonders der Brustwirbelsäule, verstärkt und die Muskulatur der äußeren Körperseite vermehrt gedehnt. In dieser Phase werden somit die Hinterbeine gekräftigt und die Muskulatur geschmeidig gemacht. Ist das Pferd mit der Zeit kräftig genug geworden und belastet seine Hinterbeine gleichmäßig kann damit begonnen werden das Pferd vorwärts-aufwärts zu reiten. Dabei beugen sich die Hinterbeine vermehrt, das Becken wird aufgerichtet, über die Rücken- und Bauchmuskulatur wird der Rücken aufgewölbt und der Brustkorb angehoben, das Pferd richtet sich von selbst (!) auf und trägt sich in Selbsthaltung.