Zeichen für schlechtes Reiten

Es gibt eindeutige Zeichen, woran jeder erkennen kann, dass der Reiter nicht gerade zimperlich mit dem Pferd umgeht, wie z.b. wenn Blut aus dem Maul tropft, die Zunge durch starke Einwirkung so gequetscht wird, dass sie blau anläuft. Gut erkennen kann man auch, wenn das Pferd versucht der starken Einwirkung auszuweichen, indem es das Maul öffnen will. Oft wird versucht dies zu verhindern, indem das Maul so zugeschnürt wird, dass es nur noch die Lippen öffnen kann.  Bekannt ist auch, dass es nicht gesund für das Pferd ist, wenn das Kinn auf die Brust gezogen wird.

Daneben gibt es auch Anzeichen, die weniger deutlich oder bekannt sind. Folgend werden die Kennzeichen aufgelistet:

 

- Kiefer weit geöffnet: um dem Druck des Gebiss auf die Laden auszuweichen.

 

- Kiefer zusammengepresst: Um das Kiefergelenk vor den Zugkräften der Zügel zu schützen.

- Hinter dem Zügel / Einrollen / Falscher Knick: um dem Druck des Gebisses auszuweichen und so Unterkiefer und Kiefergelenk zu schonen -> Überdehnen der Oberlinie / Nackenband / Risse in Muskulatur, Quetschung der  Bandscheiben und Schleimbeutel, Überlastung der unteren Gelenkflächen von Halswirbel 2.– 4.

- Unterhals: Anspannung/Verspannung der Unterlinie statt der Oberlinie, meist durch künstliche Aufrichtung über Zügel. Verhindert richtige Bewegung der Wirbelsäule.

- Durchdrücken des Rückens: Anspannung/Verspannung der Rückenmuskeln, vor allem des langen Rückenmuskels => kein über den Rücken gehen möglich, keine Biegung möglich, Kissing spines durch Annäherung  der Dornfortsätze.

- Hängenlassen des Rückens: meist durch Ermüdung nach längerer Anspannung.

 

- Vorderbein wird nach vorne geschleudert, ist gestreckt bevor Huf am Boden ist.

 

 

 

 

 

 

- Vorderbein bleibt zu lange am Boden: Vorderbein muss Körpergewicht tragen, Hinterbein trägt zu wenig. Erkennbar daran, dass das Fesselgelenk auch im Rückschub noch belastet wird. Im Idealfall hat das Fesselgelenk seinen tiefsten Punkt, wenn es senkrecht auf dem Boden steht.

 

 

- Absinken des Widerrist zwischen Schulterblätter: Gewicht hängt an Schultern => keine reelle Schulterfreiheit, Überlastung der Vorhand.

- Schiebendes / blockiertes Hinterbein: Becken ist zu flach, Rücken meist durchgedrückt, Unterhals angespannt => Pferd ist zu viel auf der Vorhand. Es ist auch möglich, dass das Hinterbein zwar weit nach vorne fußt und das Becken abgekippt ist, aber der Übergang von Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein (LSG) gebeugt ist. Dadurch ist die Kraftübertragung nach vorne gestört und der Brustkorb hängt tief zwischen den Schulterblättern.

- Hohe Hinterhand -> Hinterbeine beugen sich nicht und fußen zu wenig nach vorne, Becken ist flach, Vorhand ist tief. Ursache ist die erzwungene Kopfhaltung mit der Nasenlinie hinter der Senkrechten, verkürzter Halswirbelsäule und verspanntem Rücken.

 

- Schlagender / angespannt abstehender Schweif: Verspannung in Wirbelsäule.


Fehler im Gangpferdereitsystem

Folgendes gilt natürlich nicht nur für Isländer, sondern für jedes gerittene Pferd. Um biomechanische Probleme aufzuzeigen habe ich Bilder aus Tunierszenen nachgezeichnet und die interessanten Teile von Skelett und Muskeln eingezeichnet.

Links zu sehen ein Islandpferd im Trab in absoluter Aufrichtung, einem überstreckten, rechten Vorderbein und einer stark schiebenden Hinterhand. Fangen wir vorne an. Der Kopf wird über den Zügel in Position an der Senkrechten gezogen. Eigentlich ergibt sich der Winkel zwischen Nasen-Stirnlinie und Wirbelsäule von selbst durch die Versammlung und darf nicht durch Zügel und Reithand erzwungen werde. Das Pferd soll als erstes lernen im Kiefergelenk nachzugeben. Durch das aktive "durch das Genick reiten" lernt es aber mechanisch den Kopf zu platzieren, während der Kiefer verspannt ist. Durch den Zügelzug verspannt sich das Genick und oft wird die Ohrspeicheldrüse zwischen Unterkiefer und Wirbelsäule gequetscht, da die Wirbelsäule nicht nach oben gewölbt ist. Die Halswirbelsäule verkürzt sich ziehharmonikaartik, der Übergang Halswirbel- zu Brustwirbelsäule wird nach unten gedrückt, die Oberlinie verkürzt sich und der untere Hals verlängert wird. Dadurch kann die Oberlinie ihre Aufgabe, den Rücken zu tragen, nicht mehr wahrnehmen und bildet sich im Laufe der Ausbildung zurück. Da das Genick über Kopf und Zügel oben fixiert ist, zieht der Kopf-Arm-Muskel kompensatorisch dagegen, und ein dicker, verspannter Unterhals entsteht. Durch das Verspannen des Kopf-Arm-Muskels wird der Oberarm rückartig nach vorne oben gezogen, wodurch die spektakuläre Vorhandbewegung entsteht, die im Islandpferdesport so hoch bewertet wird. Die erhöhte Spannung in Hals und Rücken zeigt sich in dem überstreckten Karpalgelenk, das vor dem Auffußen schon gestreckt ist und beim Kontakt mit dem Boden nicht mehr federn kann, wodurch die Gelenke stark beansprucht werden. Der Sattel ist, wie im Islandpferdesport immer noch häufig zu sehen, zu weit nach hinten geschoben und liegt damit auf der Lendenwirbelsäule. Da die Lendenwirbelsäule nicht zum Tragen von Gewicht fähig ist, spannen sich die Muskeln in diesem Bereich an. Dies führt zum Verspannen der ganzen Rückenmuskulatur. Der gewollte Effekt, den Schwerpunkt von Pferd und Reiter nach hinten zu verschieben funktioniert so nicht! Im Gegenteil wird das Pferd durch den verspannten Rücken noch mehr auf die Vorhand kippen und der Rücken kann ernsthaften Schaden nehmen (Trageermüdung, Kissing Spines, Entzündungen). Durch den Zügelzug wird außerdem das Aufwölben des Rückens verhindert und das Becken wird flacher und nach hinten geschoben. Damit ist jede Versammlung im Vorhinein unmöglich. Die Hinterbeine schieben nach hinten heraus und können nicht mehr zum Tragen unter den Körper geführt werden. Dadurch muss der gesamte Schub der Hinterbeine von den Vorderbeinen abgefangen werden. Besonders das Vorderbein der hohlen Seite ist enormen Kräften ausgesetzt und ist häufig besonders gefährdet sich zu verletzten.

Die Zeichnung rechts zeigt ein Pferd das aktiv aufgerichtet und aufgerollt ist, also die Stirn-Nasenlinie ist hinter der Senkrechten. Dadurch wird das ganze Pferd verspannt und es wird dann als Spannrückengänger bezeichnet. Dabei wird der Rücken, der eigentlich nach unten durchgedrückt ist (durch verspannten langen Rückenmuskel), durch angespannte Bauchmuskulatur nach oben gedrückt. Dieser Rücken kann sich kaum noch bewegen und wirft dadurch den Reiter hoch aus dem Sattel. Auch hier wird eine spektakuläre Vorhandaktion durch das künstliche nach oben Fixieren und Spannen des Arm-Kopf-Muskels erzeugt. Durch das nach vorne-oben Ziehen des Oberarms verändert sich die Position des Schulterblatts nach vorne-unten, wodurch der M. serratus den Brustkorb nicht mehr anheben kann und der M. deltoideus zusätzlich die Wirbelsäule nach unten zieht. Auch hier wird die Hinterhand nicht zum Tragen eingesetzt, sondern schiebt nach hinten raus. Besonders deutlich ist, dass das rechte Hinterbein, das gerade am Vorschwingen ist, nicht parallel zum vorschwingenden Vorderbein ist, sondern deutlich verzögert vor fußt. Dies ist ein deutliches Zeichen für die Vorhandlastigkeit und eine zu wenig aktive Hinterhand. Ein weiteres Zeichen ist die Durchtrittigkeit vor allem in den Vorderbeinen, so dass der Fesselkopf fast den Boden berührt. Dadurch werden die Beugesehnen/Fesselträger übermäßig belastet. Das Schweifschlagen kann auch ein Zeichen für einen verspannten Rücken sein.